{"id":2284,"date":"2016-04-20T05:58:19","date_gmt":"2016-04-20T04:58:19","guid":{"rendered":"https:\/\/andyland.info\/wordpress\/?p=2284"},"modified":"2018-10-02T11:27:37","modified_gmt":"2018-10-02T10:27:37","slug":"vorsorgevollmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andyland.info\/wordpress\/vorsorgevollmacht\/","title":{"rendered":"Vorsorgevollmacht"},"content":{"rendered":"<p>Macht das. K\u00fcmmert Euch um eine Vorsorgevollmacht.<\/p>\n<p>Das ist wichtig.<\/p>\n<p>Viel wichtiger als Midi, DMX, Elektronik oder der ganze andere Schund<\/p>\n<p>&lt;TL&gt;&lt;DR&gt;: Vorsorgevollmacht, Patientenverf\u00fcgung etc. Was ich in den letzten Jahren erlebt habe,\u00a0warum es wichtig ist, sich fr\u00fch genug darum zu k\u00fcmmern.\u00a0Eine andere Form\u00a0von Inhalt\u00a0als das, was hier sonst so stattfindet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Meine Mom hat&#8217;s derbe erwischt. Demenz; und zwar nicht\u00a0die &#8220;Mutter is&#8217;n b\u00fcschn t\u00fcddelig&#8221;-Demenz, sondern die Sorte, die innerhalb\u00a0k\u00fcrzester Zeit aus einem lebenslustigen, aktiven\u00a0Menschen ein\u00a0teilnahmsloses, verk\u00fcmmertes H\u00e4ufchen Elend\u00a0in\u00a0Menschenh\u00fclle macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">September 2013: Meine Mutter besucht uns f\u00fcr ein paar Tage in Hamburg. Abends trinken wir\u00a0Wein\u00a0und sie erz\u00e4hlt, dass sie manchmal Probleme hat, Dinge in Worte zu fassen. Sie macht sich Gedanken dar\u00fcber, ob sie dement wird. Nachts wacht sie auf und l\u00e4uft auf der Suche nach der Toilette in unsere Abstellkammer. Sie wei\u00df ein paar Minuten lang nicht, wo\u00a0sie\u00a0ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">April 2016: meine Mutter ist 67 und ein kompletter Pflegefall.<\/p>\n<p>Die letzten 2 Jahre waren wirklich ziemlich gro\u00dfe\u00a0Scheisse.<\/p>\n<p>Meine Schwester und ich\u00a0haben die Ereignisse fr\u00fch zum Anlass genommen, f\u00fcr unsere Eltern eine Vorsorgevollmacht zu erstellen. Meine Schwester f\u00fcr unseren Dad, ich f\u00fcr meine Mom.\u00a0(Bei Mom war&#8217;s haarscharf, weil sie schon hart neben der Spur war\u00a0aber es ist amtlich beglaubigt, also alles cool).<\/p>\n<p>Das Ausf\u00fcllen einer Vorsorgevollmacht geht im Grunde relativ fix. Ankreuzen, unterschreiben, fertig. Vorlagen daf\u00fcr gibt&#8217;s \u00fcberall. Internet nat\u00fcrlich. Wer keinen Bock auf &#8220;Vorsorgevollmacht24&#8221; etc. hat, kann auch bei seiner Krankenkasse oder diversen Selbsthilfegruppen anfragen. In Osnabr\u00fcck ist das z.B. die <a href=\"http:\/\/www.alzheimer-os.de\/\">Alzheimer Gesellschaft Osnabr\u00fcck e.V<\/a>. .\u00a0Die Vorsorgevollmacht kann auch selbst verfasst werden, erfahrungsgem\u00e4\u00df ist eine <a href=\"http:\/\/www.bmjv.de\/DE\/Themen\/VorsorgeUndPatientenrechte\/Betreuungsrecht\/Betreuungsrecht_node.html\">Vorlage<\/a> aber der bessere Weg, weil die allermeisten Aspekte des Alltags schon irgendwie abgedeckt oder zumindest angesprochen werden. Liest man so eine Vorlage, wundert man sich dar\u00fcber, was man selber alles vergessen h\u00e4tte. Fehlt etwas, oder steht etwas drin, mit dem man nicht einverstanden ist, kann man es erg\u00e4nzen oder streichen. So oder so hat man eine Grundlage, auf der man aufbauen kann. Das ist hundertmal besser, als mit einem leeren Blatt anzufangen.<\/p>\n<p>Man muss keine Angst vor Anwaltssprech haben. Es ist erkl\u00e4rtes Ziel, dass eine Vorsorgevollmacht allgemein verst\u00e4ndlich ist. Schaut Euch einfach mal so ein Teil\u00a0an. Die Einstiegsh\u00fcrde ist <a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=vorsorgevollmacht+beispiel\">niedrig<\/a>.<\/p>\n<p>Wer so richtig sicher gehen will, l\u00e4sst das Ding noch beglaubigen. z.B. von einem Notar, vom\u00a0Hausarzt oder dem MDK oder oder oder. Auch hier: redet mit Euer Krankenkasse. Stellt Euch dumm und fragt einfach. Sagt: &#8220;Ich m\u00f6chte eine m\u00f6glichst l\u00fcckenlose Vorsorgevollmacht f\u00fcr meine MutterVaterEltern haben, was muss ich tun, um auch bei Geldangelegenheiten auf der\u00a0sicheren Seite zu sein?&#8221;.<\/p>\n<p>Wenn ihr Euch mit mehreren Geschwistern die Vorsorgevollmacht f\u00fcr eine Person\u00a0teilen wollt, macht das \u00fcber einen Notar. Spart Euch die M\u00fche und die Zeit und fragt gleich einen Profi, nicht das Internet. In der Regel arbeiten Notare hier mit festen Kostens\u00e4tzen. Das bleibt finanziell also \u00fcberschaubar. Nehmt einen Notar, dem Ihr vertraut. spart nicht am falschen Ende.<\/p>\n<p>Kl\u00e4rt das mit Euren Geschwistern (sofern vorhanden). Redet offen \u00fcber das, worum es hier geht: Eure Eltern werden sterben.\u00a0Redet \u00fcber Geld. Versprecht Euch, offen und ehrlich zu sein. Haltet Euch daran. Stellt sicher, dass alle Beteiligten\u00a0die getroffenen Entscheidungen akzeptieren. Sprecht an, wenn Ihr mit einer Sache nicht zufrieden seid. Ihr werdet Euch streiten. Es wird um Geld gehen. Ihr seid nicht die ersten, denen das passiert. Seid schlauer als die Leute vor Euch.<\/p>\n<p>Meine Eltern\u00a0 leben in Osnabr\u00fcck, ich in Hamburg. Zu den \u00c4rzten, bei denen meine Mutter Patientin ist, habe ich keinen pers\u00f6nlichen Kontakt. Es ist alles ein wenig distanzierter. Auf&#8217;m Dorf ist das vielleicht anders, aber in der gro\u00dfst\u00e4dtischen Lebenskonstellation doch eher die Regel.<\/p>\n<p>Mit einer Vorsorgevollmacht wird i.d.R. ein Arzt Euch gegen\u00fcber von der Schweigepflicht entbunden. Ich habe bei allen \u00c4rzten, zu denen meine Mutter geht, eine Kopie\u00a0der Vollmacht hinterlegt und kann damit problemlos alles fragen, was\u00a0sie betrifft. Der Vorteil daran ist, dass eben auch der Arzt auf der sicheren Seite ist und es sich hierbei nicht um einen Gefallen handelt, wenn er mit Euch redet. Man merkt das. Es IST einfacher,\u00a0weil eben klar geregelt ist, dass er Euch komplette Auskunft \u00fcber den betroffenen Patienten geben darf, ohne gegen die Schweigepflicht etc. zu versto\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit der Vorsorgevollmacht war es eine Sache von Minuten, bei der Krankenkasse daf\u00fcr zu sorgen, dass jegliche Post, die an meine Mom adressiert ist, stattdessen mir zugeschickt wird. Nichts geht verloren, nichts wird vergessen. Man kann das auch irgendwie anders erreichen. Aber dann mit mehr Aufwand. Mit mehr Stress und vermutlich mehr Kosten. Mein Dad ist derzeit noch ziemlich r\u00fcstig. Keine Frage, er k\u00f6nnte die Post von der Krankenkasse auch lesen, an mich weiterleiten etc. Aber wozu der Stress? Er hat genug Sorgen. Wir haben gekl\u00e4rt, dass ich mich darum k\u00fcmmere, also bekomme ich auch die Post. Keiner kann was vergessen, liegenlassen, hassenichesehn. Es IST einfacher so.<\/p>\n<p>Wenn man <strong>keine<\/strong> Vorsorgevollmacht besitzt und es passiert etwas, z.B: Schlaganfall, und der betroffene kann nicht mehr f\u00fcr sich selbst entscheiden, dann wird vom Amtsgericht ein Betreuer bestellt, der sich darum k\u00fcmmern darf. Im rechtlichen Sinne: Dem Betreuer gegen\u00fcber sind \u00c4rzte nicht mehr an die Schweigepflicht gebunden, etc.\u00a0 Das seid bei Euren Eltern vermutlich Ihr. Vermutlich. Je nach Familiensituation auch nicht. Auf jeden Fall dauert es. Und es ist eine Entscheidung, die erstmal jemand anderes (der Amtsrichter) trifft. Jemand anderes trifft also die Entscheidung, wer dazu berechtigt ist, sich um einen von Euch geliebten Menschen zu k\u00fcmmern.\u00a0Das muss alles nicht sein, wenn man sich fr\u00fch genug selber k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Eine <strong>Patientenverf\u00fcgung erg\u00e4nzt die Vorsorgevollmacht.<\/strong> Das bedeutet: Vorsorgevollmacht ist das Wichtigste, Patientenverf\u00fcgung ist ein sinnvolles AddOn. Wenn Ihr mit Euren Eltern redet, sprecht dar\u00fcber, was mal werden soll, falls &#8230; Das wird kein sch\u00f6nes Gespr\u00e4ch. Aber es hilft. Wenn Ihr eine Vorsorgevollmacht habt, k\u00f6nnt Ihr im Falle eines Falles regeln, was mit Euren Eltern passieren soll. Wenn eure Eltern z.B. in einem Pflegeheim sind, k\u00f6nnt Ihr bestimmen, dass keine Reanimation gemacht werden soll, falls es\u00a0zu der Situation\u00a0kommt. Wenn Ihr vorher offen mit ihnen redet, dann wisst Ihr auch, was sie wollen und DAS ist wichtig. Lasst das Sacken: Was man machen KANN ist das Eine. Aber irgendwann muss man eine Entscheidung treffen, mit der man leben muss.<\/p>\n<p>Es wird viele Menschen geben, die Dir erz\u00e4hlen, was Du tun solltest, was sie tun w\u00fcrden, was irgendwer irgendwann getan hat, der auch in der Situation war. Das kann man sich anh\u00f6ren und sich ggf davon inspirieren lassen. Mehr nicht. Mehr auf keinen Fall.\u00a0\u00a0Es gibt nur eine Entscheidung und die triffst Du selbst.<\/p>\n<p>Wenn Du abends ins Bett gehst und die Augen zumachst, musst Du zu Dir selber sagen k\u00f6nnen: &#8220;Es ist alles richtig so.&#8221;.<\/p>\n<p>Ach man, Scheisse<\/p>\n<p>[Update, 2.10.2018]<\/p>\n<p>Meine Mom ist am 23.5.2018, also knapp zwei Jahre, nachdem ich den Post verfasst habe, gestorben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist trotz aller Vorsicht DOCH eingetreten, wovor ich mich selbst gewarnt habe: Wir haben uns um Geld gestritten, wir waren irgendwann nicht mehr einer Meinung, die Nervern lagen komplett blank. Aber: Wir haben uns wieder gefangen. Es ist einfacher, wenn man wei\u00df, worauf man achten muss. Manchmal MUSS man sich streiten, obwohl alle Beteiligten es besser wissen. Wichtig ist, sich hinterher wieder an einen Tisch zu setzen.<\/p>\n<p>Wir haben uns gegen eine Magensonde entschieden. Aus Gr\u00fcnden. Als es dem Ende entgegenging, bin ich jeden Tag im Pflegeheim gewesen, damit das H\u00e4ufchen Elend, das mal meine Mom war, nicht alleine sein muss. Das war nicht leicht. Man muss schon ziemlich hart drauf sein, um sich bei so einem Anblick nicht zu fragen, ob man tats\u00e4chlich alles richtig gemacht hat.<\/p>\n<p>Mal abwarten, wie oft die Erinnerung an diesen Anblick noch wiederkommt.<\/p>\n<p>[\/Update]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Macht das. K\u00fcmmert Euch um eine Vorsorgevollmacht. Das ist wichtig. 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